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05. April

Palmsonntag
Mt 21, 1-11


Predigt zum Palmsonntag

Liebe Schwestern und Brüder!

Über dem heutigen Tag liegt eine große Spannung. Nach dem Einzug Jesu in Jerusalem sprechen die drei Lesungen des heutigen Tages vom Leidensweg Jesu: Wir erfahren, wie sich das „Hosanna dem Sohne Davids“ am Palmsonntag wenige Tage später in das „An’s Kreuz mit ihm!“ der wütenden Menge am Karfreitag wandelt. Das ist aber nicht der einzige Verrat: Jesus wird von Petrus verleugnet, von fast allen übrigen Jüngern verlassen und der rohen Gewalt der römischen Soldaten schutzlos ausgeliefert. Eine besondere Rolle spielt dabei Judas, der schon immer die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Er gehört zum engsten Freundeskreis Jesu, den er in seiner Liebe zu den Menschen erlebt hat. Deshalb ist es besonders dreist, dass er bereit ist, seinen Freund zu verraten und auch noch Geld dafür zu verlangen.


Da die Begegnung mit dem Verräter im Garten Getsemani für uns zu einem Schlüssel zur Passion Jesu werden kann, lohnt es sich, sie genauer anzuschauen. Judas vereinbart einen Kuss als Erkennungsmerkmal. Das Zeichen, dass normalerweise Liebe und Freundschaft ausdrückt, wird für Jesus zur Todesfalle. Schließlich stehen sich beide Kiss of Judasgegenüber. Die Szene wird hochdramatisch: Judas nennt Jesus vermutlich ehrfurchtvoll „Rabbi“ und gibt ihm den verräterischen Kuss. Darauf begrüßt ihn Jesus mit den Worten: „Freund, warum bist du gekommen?“ Diese Frage ist aber eine besondere Frage – Judas ist der einzige Mensch, der von Jesus im gesamten Evangelium nach Matthäus „Freund“ genannt wird. Wir liegen sicher nicht falsch, wenn wir tiefe Enttäuschung aus Jesu Wort heraushören. Es ist bemerkenswert, dass Jesus ihn trotzdem „Freund“ nennt. Da schwingt nämlich auch die Erwählung des Judas zum Apostel mit, sowie die gemeinsame Gemeinschaft, als sie zusammen durch das Land zogen und das Reich Gottes verkündeten. Doch es ist noch mehr: nämlich die von Jesus nicht gekündigte Erwählung des Verräters, die Liebe, die Jesus weiterhin dem
Menschen schenkt, der sich gerade mit einem Kuss in die tiefste Sackgasse seines Lebens verrannt hat. Gerade ihn nennt Jesus „Freund“. Deutet sich nicht hier schon an, dass Jesu Tod die Erlösung aller Menschen zum Ziel hat?


Liebe Schwestern und Brüder!
Jesus hat den Hass und die Niedertracht kennengelernt, zu denen Menschen fähig sind. Gerade im Leiden hält er seine Botschaft vom bedingungslos liebenden Gott aufrecht. Die Auferstehung Jesu zeigt, dass Gott weder die Welt noch die Menschen aufgegeben hat. Petrus, die übrigen Apostel und viele andere werden Vergebung finden für das, was sie getan haben. Vergebung der Sünden ist möglich, weil Gott in seiner bedingungslosen Liebe treu bleibt. Die Darstellung aus der Kathedrale von Vézelay in Frankreich zeigt, wie Jesus den toten Judas auf seinen Schultern trägt. Deutlicher kann die Liebe Gottes nicht ausgedrückt werden. Für uns wird die Passion Jesu zur Frohen Botschaft, die uns im eigenen Versagen die vergebende Liebe Gottes verkündet. Amen1

P. Leonard Szewczyk SDB

Predigt zum Palmsonntag 2020 als Download

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